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  • Die Orgeln von St. Joseph
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    Die BREIL-Orgel von St. Joseph
     
    Die heutige Orgel ist die 3. Orgel, die in der Kirche St. Joseph, die mit ihren Klängen jede kirchliche Liturgie erst zu einer feierlichen Liturgie werden lässt. Schon die alten Kirchenmusiker an St. Joseph wussten, dass Kirchenmusik auch dazu beiträgt, die Gläubigen zur Teilnahme  am gemeinsamen Gebet in der Kirche hinzuführen. So ist es auch nicht verwunderlich, dass wir bereits auf einem Foto von 1906 die erste Schalker Orgel der Firma Franz Eggert aus Paderborn sehen. Diese Orgel wurde 1928 von 26 auf 45 klingende Register erweitert, den Bericht der Gelsenkirchener Zeitung vom 25. September 1928 finden Sie unten in Anhang. Im 2. Weltkrieg wurde die Orgel bei den Bombenangriffen in den Jahren 1944/45 völlig zerstört.
     
    Nachdem bis 1953 die Kirche wieder aufgebaut wurde, konnte nach der Einweihung des Altares im August 1953 zum Weihnachtsfest 1953 erstmals wieder eine Orgel spielen, die unsere Gemeinde aus der Kapelle des alten Marienhospital von der Propsteigemeinde erhielt. Diese 2. Orgel war immer nur als Übergangslösung angesehen worden.
     
     
    Darum wurde 1970 Die Firma BREIL in
    Dorsten mit dem Bau der 3. Schalker Orgel
    beauftragt.
    Damit ging ein lange gehegter Wunsch der  
    Schalker Pfarrgemeinde in Erfüllung. Ohne
    die Opferbereitschaft der Gläubigen hätte
    man wohl noch lange auf dieses für die Kirchenmusik so wichtige Instrument warten
    müssen.
    Die Weihe der neuen Orgel in der Pfarrkirche St. Joseph in Schalke fand am Sonntag, dem 1. März 1970 statt, umrahmt von einem festlichen Programm.
    Prof. Dr. Rudolf Reuter aus Münster spielte auf dem neuen Instrument, begleitet von Annemarie Jochum, Frankfurt (Violine), Werke von Johann Pachhelbel, Berthold Hummel, Karl Höller, Dietrich Buxtehude, Francois Couperin und Joh. Seb. Bach. Alle Orgelvorträge von Herrn Prof. Dr. Reuter wurden mit strenger rhythmischer Disziplin und ausgezeichneter Beherrschung klanglicher Variationsmöglichkeiten vorgetragen. Stimmungsreiche Weisen steuerte der von Alfons Schlangmann dirigierte Kirchenchor bei.
    Das Leitblatt zur Orgelweihe vermerkt die Dispositionen des von Franz Breil aus Dorsten gebauten Instruments:
     
    42 klingende Register auf drei Manuale und ein Pedalwerk verteilt.
    Disposition
     
    Hauptwerk Manual II              
    Gedackt  16 '                      Umrahmt wird die Orgel                   
    Prinzipal   8 '                      von den beiden Patronen 
    Gedackt   8 '                       der Kirchenmusik:         
    Oktave   4 '                             
    Spitzflöte 4 '                              
    Oktave    2 '                             
    Nachthorn  2 '                             
    Mixtur  5fach                             Hl. Cäcilia
    Zimbel 3fach                            
    Trompete 16 '                           
    Trompete   8 '                           
     
    Rückpositiv Manual I              
                                                   
    Gedackt     8 '                                  
    Prinzipal     4 '
    Koppelflöte 4 '
    Gemshorn   2 '
    Quinte    1 1/3   
    Sesquialtera 2fach     
    Scharff        5fach     
    Krummhorn 8 '
    Tremulant 
      
    Schwellwerk Manual III
    Holzflöte   8 '
    Dulzflöte   8 '
    Prinzipal   4 '
    Rohrflöte  4 '
    Nasat 2 2/3
    Prinzipal   2 '
    Terz   1 3/5
    Sifflöte     1 '
    Mixtur 4fach
    Terzzimbel 3fach
    Fagott    16 '
    Schalmey 8 '
    Hautbois 4 '
    Tremulant
     
    Pedalwerk
    Prinzipalbass 16 '
    Subbass        16'                  Hl. König David
    Oktavbass      8 '
    Gedacktbass   8 '
    Choralbass     4 '
    Rauschquinte 2fach
    Hintersatz 5-fach
    Posaune      16 '        
    Trompete      8 '        
    Clarine          4 '        
     
    Koppeln   
     
    Manualkoppel I/II    
    Manualkoppel III/II
    Manualkoppel III/I
    Pedalkoppel I
    Pedalkoppel II
    Pedalkoppel III
     
    3 freie Kombinationen
    1 freie Pedalkombination
    Einzelabsteller für Zungenregister
    Kombinationsschalter als Hand- und Fußschalter in Wechselwirkung.
     
    Mechanische Spiel- und elektrische Registertraktur.
     
     
     
    Über die neue Orgel und die Orgelweihe in St. Joseph-Schalke wurde in der "Gelsenkirchener Zeitung, 64. Jahrgang, Nr. 264, vom Dienstag, dem 25. September 1928" folgendes berichtet:
     
    Orgelweihe
    in St. Joseph, Schalke
    Kein Zweifel: die neue Orgel der katholischen Schalker Pfarrkirche erhebt sich nach Umfang und Qualität weit über den Durchschnitt unserer Orgeln im Stadtbezirk. Man darf sie in einer Reihe nennen mit der Hans-Sachs-Haus-Orgel und mit der Anfang September des Vorjahres geweihten Orgel der Propsteikirche. Zur Vergleichsmöglichkeit geben wir den Umfang aller drei Werke an: Das Walker Instrument im Hans-Sachs-Haus umfasst bei 91 klingenden Registern 5.800 Pfeifen in 4 Manualen und einem Pedal, die Propsteiorgel 66 klingende Register und 104 Positionen mit 4.718 Pfeifen in ebenfalls 4 Manualen und einem Pedal, die erweiterte Orgel der Schalker St. Joseph-Kirche verfügt über 45 klingende Register und 79 Positionen mit 3.004-Pfeifen, verteilt auf drei Manuale und einem Pedal.... Die frühere Orgel, ebenfalls von der Orgelbauanstalt Franz Eggert, Inh. Anton Feith, jr., in Paderborn, die jetzt auch den Umbau vollzog, vor etwa 25 Jahren geliefert, zählte nur 26 Register. Sie wurde zu der jetzt vollendeten Erweiterung auf 45 klingende Register restlos wieder verwendet. Aber auch die Anordnung des Werkes ist gegenüber früher eine andere geworden. Man hat die rechte Seite der Orgel-Empore durch eine neue Mauer abgeschlossen und dahinter das Orgelwerk eingebaut. Durch mehrere große, mit Jalousien versehene Öffnungen dringt der Schall in den Kirchenraum. Aus den 79 Positionen, die in der Ordnung für die Weiheandacht aufgezeichnet waren, ist zu entnehmen, welch eine Fülle von Klangmöglichkeiten und -reizen das erweiterte Orgelwerk in sich birgt. Das erste Manual schafft den vollen und doch weichen Grundklang; das zweite trägt im Gegensatz zum ersten helleren Charakter, mit Geigenprinzipal, Hohlflöte, Flaut amabile, Gemshorn u.a. Das dritte endlich enthält eine Fülle lieblichster Flötenarten. Dieses neugeschaffene dritte Manual konnte im Bereich der Orgelempore keinen Platz finden; darum wurde es oben über dem Gewölbe eingerichtet und dafür unter großen technischen Schwierigkeiten eine besondere Schallöffnung von     1½ Meter Durchmesser geschaffen. So wirkt es als ausgesprochenes Fernwerk, obwohl es streng genommen nicht als solches angesehen werden kann. Außerordentlich gut gelungen ist die Mensurierung der Pfeifen in genauer Anpassung an die Akustik des Kirchenraumes.... Durch die verdeckte Anordnung der neuen Orgel erhielt die Orgelempore nach der einen Seite festen Abschluss. Kunsttischlermeister Ricken hat aus dem guten Holzmaterial des alten Orgelgehäuses eine vornehm wirkende Rückwandtäfelung geschaffen. So geht von der Empore in ihrer neuen Form eine geschlossene sakrale Raumwirkung aus, zu der nicht zuletzt die breiten und hohen Fenster das Ihrige beitragen.
    Pater Dr. Gregor Schwake aus der Benediktinerabtei St. Joseph, Gerleve bei Coesfeld, war auch diesmal die Seele der ganzen Orgel weihe. Inmitten einer bewegten Reise- und Redetätigkeit im Dienste der Kirchenmusik fand er doch noch Zeit, die Schalker Orgel ihrer hohen Bestimmung zu übergeben. Während der kirchlichen Weihe sang der Kirchenchor den 150. Psalm, den sein Dirigent, Organist Joseph Schlangmann, für 4-stimmigen Männerchor vertont hat, in Uraufführung. Schlangmann arbeitete hier mit einfachen, wuchtigen Linien und wird dem Gehalt des Psalms und seiner erhabenen Festlichkeit mit starker Eindringlichkeit gerecht. Die Mittel der Melodienführung und Harmonisierung sind der bewährten Tradition katholischer Kirchenmusik zugewandt.
    Dann folgt nach Beendigung des liturgischen Weiheaktes ein Augenblick festlicher Spannung: Pater Dr. Gregor Schwake setzt sich an die Orgel und lässt sie in freier Improvisation machtvoll aufbrausen zum vollen Werk. Sein Spiel ist gewissermaßen die Introduktion zum Sanctus aus Stehles Festmesse, das anschließend vom Chor mit Orgel gesungen wird. Damit ist die eigentliche Orgelweihe zu Ende.
    Im zweiten Teil, Orgelklänge überschrieben, entfaltet der schlichte Benediktinerorganist wieder einmal seine ganze Meisterschaft, deren drei Faktoren eine souveräne technische Beherrschung, unermüdliche Spielfreudigkeit und ein ganz starkes künstlerisches Temperament sind. Seine grundmusikalische Natur ließ ihn ebenso zu Johann Sebastian Bach wie zu Joseph Rheinberger und zu Max Reger das rechte innere Verhältnis finden. Ein Erlebnis war des Thomaskantors kleines Präludium und Fuge in C-moll; Bach, wuchtig und klar aufgebaut, in herber Schönheit, aber angefüllt mit stärkster innerer Wärme, mit der Inbrunst katholischen Gotterlebens. Der erste Satz aus Rheinbergers D-moll-Sonate erstand in grandioser Kraft; seine "Vision" war ein Kabinettstück an zarter Innerlichkeit des Tones und der Gestaltung. Regers Tokkata A-moll aus opus 80 bot Gelegenheit zu ungehemmter Entfaltung der Klangmöglichkeiten der Orgel. Spezielle Reize entfaltete sie im ebenso lieblichen wie formal und melodisch originellen Hirtenstück von P. Gregor Molitor + aus dem Beuroner Orgelbuch. In diesem Wechselgesang zwischen Flöte und Hörn trat vor allem letzteres ungemein stark und sonor in Erscheinung. Eine treffliche Zusammenstellung bot P. Gregor in dem Gang durchs Kirchenjahr an Hand von Kirchenliedern. Der Chor, der unter seinen vierzig Sängern vor allem über prächtig füllende Bässe verfügt, sang im dritten Teil als Vorbereitung auf den sakramentalen Segen zunächst das Sanctus aus Schuberts deutscher Messe. Selten nur wird man es so ganz seinem Geiste noch erfasst und mit solcher Kultur der Gestaltung hören, wie hier unter Joseph Schlangmanns Leitung. Franz Witts "Ave Maria“ war eine ebenso hoch einzuschätzende Leistung.
     

     
    Text:        Hubert Deckers
    Foto sw:   Pfarrarchiv St. Joseph
    Farbfotos: Hubert Deckers
    Quellen:   Festschrift, 100 Jahre Kirchenchor St. Joseph,
                   Gelsenkirchen-Schalke        
                   Buch: Schalke 91, von Prof. Dr. Hans Jürgen Brandt
     
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    h-deckers(at)gmx.de   (at)=@

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